Interview mit Manuel Kofler

„Den Kumpeltyp gibt es nicht“ – Co-Trainer Manuel Kofler über seine Rolle bei den Kölner Haien

Sie stehen selten im Rampenlicht – und doch sind sie aus dem modernen Eishockey nicht mehr wegzudenken: Co-Trainer. Während Cheftrainer an der Bande die Schlagzeilen bestimmen, sind es die „stillen Architekten“ im Hintergrund, die an Details feilen, Spieler individuell betreuen und das Team auf Kurs halten. Wer glaubt, Co-Trainer seien bloß Assistenten, unterschätzt ihre Bedeutung gewaltig. Was macht einen guten Co-Trainer aus? Wie sieht ihr Alltag aus – und wie groß ist ihr Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg einer Mannschaft? Wir haben mit Manuel Kofler gesprochen, der als Co-Trainer bei den Kölner Haien täglich zwischen Taktiktafel, Kabine und Eis pendelt – und dabei oft mehr bewegt, als viele denken.

Wie bewertest du eure Saison bis jetzt?

Wir sind aktuell zufrieden mit unserer Leistung. Wir haben einige neue Spieler dazubekommen. Da spricht man gerne von einem Prozess, aber ich glaube, dass wir uns schnell gefunden haben und auch ansehnliches Eishockey spielen.

Du hast in deiner Laufbahn mit mehreren Cheftrainern gearbeitet, darunter Kurt Kleinendorst, Tom Rowe oder jetzt Kari Jalonen. Hast du dir von jedem etwas abschauen können?

Ja, zu meinem Glück durfte ich schon mit vielen guten Headcoaches arbeiten und jeder hat seine eigene Herangehensweise. Was das Fachliche betrifft, unterscheiden sie sich gar nicht so sehr voneinander. Natürlich gibt es verschiedene Systeme. Aber im Endeffekt ist entscheidender, wie man es den Spielern vermittelt.  Da waren sie sich relativ ähnlich und ich konnte von allen Trainern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sehr, sehr viel mitnehmen.

Hattest du dann auch unterschiedliche Rollen als Co-Trainer?

Ich bin im Spiel zuständig für die Verteidiger. Kari wechselt die Stürmer ein und genauso war es mit den anderen Trainern auch. Außerdem bin ich, außer im ersten Jahr in Nürnberg, für das Unterzahl zuständig. Ich bereite das Überzahl des Gegners auf. Wir versuchen Lösungen zu finden, wie wir das in unserem eigenen Unterzahl-System stoppen können. Das sind meine zwei Hauptaufgaben neben der Gegneranalyse. In Nürnberg habe ich das auch schon gemacht. Das ist sehr viel Laptop-Arbeit. Ich schaue mir immer die aktuellsten zwei Spiele des nächsten Gegners an. Ich warte immer, bis das aktuellste Spiel auf einem Online-Portal ist, lade dieses herunter und zerlege das komplette Spiel. Wie spielen die Überzahl, wie spielen die Unterzahl, was machen die taktisch bei 5 gegen 5? Dann stelle ich ein Meeting zusammen und lege unser System auf den jeweiligen Gegner drauf. Wenn ich irgendwann in der Nacht damit fertig bin, gehe ich das am nächsten Morgen mit Kari durch. Ich präsentiere also unserer Mannschaft, wie der Gegner spielt und wie wir dagegen agieren, präsentiere das Überzahl des Gegners und unser Unterzahl. Der andere Co-Trainer stellt unser Überzahl und unser 5 gegen 5 vor. So ist die Aufgabenverteilung bei uns neben den jeweiligen individuellen Spielervideocoachings.

Jalonen arbeitet seit Jahrzehnten erfolgreich als Cheftrainer. Du kennst die Liga bestens als Spieler und Co-Trainer. Klappt diese Kombination?

Ja, das ergänzt sich perfekt. Das war letztes Jahr interessant, weil der Kari die Mannschaften nicht kannte. Aber wenn wir gegen jeden einmal gespielt haben, sieht er natürlich auch alles. Wir sitzen im Büro an einem riesigen Monitor, der Torwarttrainer ist auch dabei. Jeder hat seine Profession, aber am Ende des Tages ist es ein großes Miteinander. Wobei Kari natürlich den Hut auf hat und immer das letzte Wort hat.

Gibt’s dann in der Trainerkabine auch mal Ärger? Scheppert’s da auch mal?

Bei uns scheppert es selten. Wir besprechen alles ganz normal. Es ist eine sehr, sehr professionelle Ebene mit Kari. Wir haben auch immer den selben Rhythmus. Wir treffen uns um sieben Uhr. Dann besprechen wir unsere Themen. Wir haben einen sehr strukturierten Ablauf und den halten wir i.d.R. auch ein. Egal, ob wir in Bremerhaven gespielt haben und die ganze Nacht im Bus saßen oder ein Heimspiel hatten. Die Videos werden unmittelbar nach Spielende geschnitten, egal wo. Wir versuchen den Spielern immer möglichst den gleichen Ablauf zu bieten.

Was ist deine Rolle in der Kabine? Bist du eher der Kumpel-Typ oder eher die Autorität?

Ich glaube, den Kumpeltyp gibt es nicht. Ich bin ein Bindeglied zwischen Spielern und Headcoach. Wenn Probleme auftauchen oder es Fragen gibt, kommen die Jungs meist erst zu mir. Dann versuchen wir eine Lösung zu finden. Ich sehe mich als loyalen Trainer, der für die Spieler und den Headcoach zu 100 Prozent da ist.

Hat sich die Rolle des Co-Trainers sehr geändert im Vergleich zu deiner aktiven Zeit?

Diese Laptop-Arbeit oder dass der Gegner so explizit analysiert wird, auch die Masse an Informationen, gab es früher nicht. Das ist richtig. Es gab auch vor 20 Jahren Videoanalysen, aber definitiv nicht in diesem Umfang. 

Wie wichtig ist dir die Entwicklung der jungen Spieler?

Die liegt mir natürlich am Herzen. In Nürnberg hatten wir viele junge Spieler. Da war die Möglichkeit, ihnen mehr Eiszeit zu geben, deutlich höher, als z.B. dieses Jahr in Köln. Speziell die Verteidiger. Das war letztes Jahr noch ein bisschen leichter, wenn ich mir einen Spieler wie Maximilian Glötzl anschaue. Der hat letztes Jahr immer seine zehn bis 15 Minuten Eiszeit gehabt. Dieses Jahr ist es etwas schwieriger, weil wir in der Verteidigung absolute Extraklasse hinzugewonnen haben. 

Wie würde der Coach Manuel Kofler mit dem Spieler Manuel Kofler umgehen?

(Lacht) Gute Frage. Ich würde an dem Spieler schätzen, dass er so konsequent an sich gearbeitet hat. Ob im Sommertraining oder auf dem Eis immer hart zu sich selbst war, weil er sonst mit der talentierteren Konkurrenz nicht hätte mithalten können. Ich hätte im ersten Jahr in Iserlohn mit ihm angefangen, das Läuferische und das Stocktechnische exzessiv zu trainieren, damit er da einfach besser geworden wäre….

Ist es dein Ziel, auch als Cheftrainer in der DEL zu arbeiten? 

Ja, definitiv ist es das, aber da muss einfach alles passen. Ich hatte und habe das Glück, mit tollen Trainern zusammenzuarbeiten. Ich habe gelernt, was Erfahrung als Trainer ausmacht. Egal, ob als Co-Trainer oder auch als Headcoach. Im Moment konzentriere ich mich einfach nur auf dieses Jahr. Wir wollen mit Köln Spiele gewinnen. Das ist das, warum wir alle da sind. Das andere kommt dann, wenn es soweit ist. Ich habe mir da keinen Zeitrahmen gesetzt.

Ist schon klar, ob du in Köln bleiben wirst?

Es geht im Moment nur um die aktuelle Saison. Wir konzentrieren uns nur auf die Kölner Haie und darauf, dass wir besser spielen als letztes Jahr.

Kommst du als Ur-Bayer eigentlich mit den winzigen Kölsch-Gläsern klar?

Klar. Kalte Apfelschorle schmeckt aus jedem Glas.


Interview: Stefan Mack

Foto: City-Press