Interview mit Markus Keller

„Das Brodeln habe ich nicht mehr“

Markus Keller war 18 Jahre lang Profi-Eishockey-Torwart und stand unter anderem für Augsburg, Kassel und Berlin zwischen den Pfosten. Im Frühjahr hängte er die Schlittschuhe an den Nagel und ist seit Sommer Team-Manager der Augsburger Panther. Hockeyinside.de sprach mit ihm über den Wechsel vom Eis ins Büro und ob er inzwischen gelassen auf die Spiele seiner Panther blicken kann.

Frage: Du bist jetzt ein gutes halbes Jahr im neuen Job, im Sommer hast du als Teammanager angefangen. Bist du immer noch in der Eingewöhnung oder ist es schon Routine?

Keller: Ich würde sagen, mittlerweile ist schon viel Routine eingekehrt. Vor allem, weil wir jetzt jedes Auswärtsspiel einmal durch haben. Ich kenne die Hotels, die Ansprechpartner, und im Büro ist sowieso schon alles Routine. Ich denke, ich bin schon ziemlich nah dran.

Frage: Wie kam es eigentlich dazu, dass du jetzt Teammanager bist?

Keller: Wir haben uns vor etwa drei, vier Jahren zusammengesetzt, als es um meinen Vertrag bis zum Karriereende ging – ohne das genau zu beziffern. Damals hieß es, man würde mich gerne im Club einbauen, was auch mein Wunsch war. Wir haben dann überlegt, welche Stelle passen könnte, und die Teammanager-Position war für mich am naheliegendsten. Das hat dann auch perfekt gepasst, weil Duanne Moeser in absehbarer Zeit kürzertreten wollte. So kam alles zusammen.

Frage: Wäre für dich auch eine Trainer- oder Torwarttrainer-Position infrage gekommen?

Keller: Ich bin mit meiner jetzigen Position sehr glücklich. Torwarttrainer hätte ich mir früher vielleicht vorstellen können, als ich noch nicht wusste, wohin es geht. Cheftrainer oder Co-Trainer eher weniger, das ist immer ein heißer Stuhl, der stark vom Erfolg abhängt. Als Torwarttrainer ist man nicht so sehr am Erfolg gebunden – wenn man gute Arbeit macht, darf man meist bleiben. Aber ich bin mit meiner Rolle als Teammanager sehr zufrieden und muss nicht unbedingt als Coach arbeiten.

Frage: Hattest du Angebote, als Torwart weiterzumachen?

Keller: Die Möglichkeit hätte es schon gegeben, vor allem aus der DEL2. Wir haben zwar gleich kommuniziert, dass ich den Job als Teammanager übernehme. Die Teams wussten also, dass ich nicht verfügbar bin. Es gab trotzdem den einen oder anderen Anruf. In der Saison findet sich für einen deutschen Torwart eigentlich immer irgendwo ein Platz, auch als dritter Torhüter in der DEL. Aber ich hatte keinen großen Willen mehr, weiterzuspielen.

Frage: Wie sieht dein Arbeitsalltag jetzt aus? Gibt es einen festen Ablauf oder ist jeder Tag anders?

Keller: Jeder Tag ist ein bisschen anders. Grundsätzlich ist es viel mehr Arbeit als zu meiner aktiven Zeit. Ich bin zeitlich recht flexibel, muss aber meine Aufgaben erledigen. Das ist nicht in zwei, drei Stunden am Tag getan. Man muss teilweise auch 24 Stunden erreichbar sein, falls etwas Dringendes aufkommt. Das Aufgabenfeld ist sehr groß, es sind bestimmt 30 bis 40 verschiedene Dinge, die ein Teammanager erledigen muss.

Frage: Was sind die wichtigsten Aufgaben?

Keller: Die Organisation der Auswärtsfahrten – Hotels, Bus, Essen vor Ort. Ich mache die Spielberichte, bin bei jeder Auswärtsfahrt dabei, kümmere mich um die Autos der Mannschaft, das Bestellwesen für Ausrüstung, Zusatzernährung, Physiobedarf. Zusammengefasst: Ich organisiere alles rund ums Team und die Kabine.

Frage: Früher hat man nach dem Spiel einfach 25 Pizzen bestellt. Die Zeiten sind vorbei…

Keller: Nein, das ist vorbei. Heute ist alles viel professioneller. Auch beim Essen muss alles passen. Wir haben einen festen Ablaufplan, den ich schreibe, und da muss alles funktionieren.

Frage: Ist man sich als Spieler überhaupt bewusst, was im Hintergrund alles läuft?

Keller: Nein, das kann man sich als Spieler gar nicht vorstellen. Ich wusste als Spieler schon, dass viel dahintersteckt, aber erst im Büro sieht man, was alles bedacht werden muss und wie viele Leute sich um alles kümmern. Das ist wirklich unvorstellbar.

Frage: Hast du deinen Vorgänger Duanne Moeser am Anfang oft kontaktiert oder lief die Einarbeitung reibungslos?

Keller: Die Einarbeitung war sehr gut, aber ich habe Duanne trotzdem immer mal wieder kontaktiert, vor allem wegen Kontakten. Kontakte sind einfach wichtig, zum Beispiel zu Hotelmanagern, Ausrüstern oder beim Thema Essen. Telefonnummern sind da Gold wert.

Frage: Du bist mit dem AEV sehr verbunden, kommst von hier und hast lange hier gespielt. Ist das ein Vorteil in deinem Job?

Keller: Auf jeden Fall. Ich kannte schon alle im Büro und viele Leute im Stadion. Ich habe viele Ansprechpartner in Augsburg, auch solche, die bisher nicht mit dem Club zusammengearbeitet haben, die man aber einbinden könnte. Das ist sicher ein Vorteil.

Frage: Kannst du inzwischen ein Panther-Spiel von der Tribüne aus entspannt anschauen oder brodelt es noch in dir?

Keller: Das Brodeln, dass ich selbst auf dem Eis stehen müsste, habe ich nicht mehr. Aber ich schaue natürlich emotional zu, juble bei Toren und rege mich auf, wenn etwas nicht läuft. Ganz ohne Emotionen geht es nicht – das gehört zum Sport dazu. Da wäre man ansonsten im Eisstadion fehl am Platz.

Frage: Ihr habt jedes Jahr neue Amerikaner und Kanadier im Team. Bist du da auch als Unterstützer gefragt?

Keller: Ja, vor allem für die Nordamerikaner, die zum ersten Mal hier sind, gibt es viele Fragen. Ich bin Ansprechpartner für alles – von der Anmeldung bis zu Alltagsfragen. Es gibt viele Dinge, die für uns normal sind, für sie aber nicht. Da helfe ich gerne weiter. Klar, bei uns ist alles anders. Die Verkehrsregeln, die Gesetze, bei den Wohnungen. Da kommen viele Fragen auf.

Frage: Das Curt-Frenzel-Stadion ist fast immer ausverkauft, obwohl die letzten Jahre sportlich schwierig waren. Wie erklärst du dir das?

Keller: Die Panther-Fans sind sensationell. Ein paar extra Plätze im Curt-Frenzel-Stadion würden im ein oder anderen Spiel sicher nicht schaden, um alle Fans unterbekommen zu können.

Frage: Wie erklärst du dir das?

Keller: Das liegt an der Tradition und am harten Fankern, der immer kommt, auch wenn es nicht gut läuft. Eishockey ist ein geiler Sport, der viele Leute anzieht, auch solche, die vorher keinen Bezug dazu hatten. Viele Kinder kommen, Sponsoren machen Events im Stadion während der Spiele, wie zum Beispiel Weihnachtsfeiern. Das Stadion ist oft voll – egal, wie es läuft.

Frage: Wie siehst du die sportliche Situation im Moment?

Keller: Wenn man uns im August gesagt hätte, dass wir im Dezember so nah an den Playoffs dran sind und auf Platz 11 stehen, wären wir alle glücklich gewesen. Wir hatten eine gute Phase mit einer langen Siegesserie, dann einen Durchhänger im November. Das letzte Wochenende war bitter, aber wenn wir weiter so spielen, sieht es gut aus.

Frage: Wie verbringst du Weihnachten?

Keller: Weihnachten ist im Eishockey immer kurz. Am 24. feiern wir abends, am 25. geht es mittags schon nach Dresden, und dann ist Weihnachten auch schon wieder vorbei.

Frage: Hast du Wünsche oder Vorsätze fürs nächste Jahr?

Keller: Persönlich: Gesund bleiben. Und es wäre schön, mal wieder ein Playoff-Spiel im Curt-Frenzel-Stadion zu sehen. Das Wichtigste ist aber Gesundheit und Familie. Als Spieler war der sportliche Teil noch wichtiger, jetzt als Teammanager steht das Organisatorische im Vordergrund.

Interview: Stefan Mack

Foto: City-Press