Penny DEL Fazit zur Länderspielpause

Fazit zur Deutschland-Cup-Pause – Straubing begeistert, Dresden enttäuscht 

Iserlohn Roosters: Skandinavische Neuausrichtung gerät ins Stocken 

Am Seilersee läuft die skandinavische Neuausrichtung bislang alles andere als rund. Die Kontingentspieler Lassen, Wood, Boland und Törnqvist blieben bislang weit hinter den Erwartungen zurück – weder in der Offensive noch im Powerplay können sie Akzente setzen. Das Goalie-Duo Henrik Hane und Andreas Jenike zeigte sich zudem nicht immer sattelfest, was zu manch bitterer Niederlage führte. Während der Deutschland-Cup-Pause reagierten die Verantwortlichen und holten mit Rückkehrer Anthony Camara einen altbekannten Torjäger, der mit seiner kompromisslosen Spielweise und Abschlussstärke neue Energie bringen soll. Um den Tabellenkeller zu verlassen, braucht es jedoch eine deutliche Leistungssteigerung – und vor allem Konstanz. 

Dresdner Eislöwen: Ernüchterung nach dem Aufstieg 

Mit viel Euphorie in die Saison gestartet – intern war gar von den Pre-Playoffs die Rede – mussten die Dresdner Eislöwen schnell erkennen, dass die DEL ein anderes Kaliber ist als die DEL2. Trotz prominenter Namen wie Hudacek, Braun oder Parkes blieb der erhoffte Effekt aus. Die Mischung aus Routiniers und Aufstiegshelden greift nicht. Goalie Julius Hudacek hat den Klub bereits verlassen, sein Nachfolger Jussi Olkinuora soll Stabilität bringen. Doch Dresden findet weiterhin nicht in die Spur – zu oft fehlt das Tempo, und Führungen werden leichtfertig verspielt. Nach 16 Spielen stehen magere sieben Punkte zu Buche – ein Negativwert, der sogar den historischen Tiefststand der Freiburger DEL-Saison 2003/04 gefährden könnte. Mit der Verpflichtung von Rourke Chartier als neuem Nummer-eins-Center hofft man, die Torflaute zu beenden. Doch die Luft wird dünn – und die Trainerfrage dürfte bald gestellt werden. 

EHC Red Bull München: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit 

Auch in München ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Serienmeister rangiert derzeit nur auf Rang sechs – weit entfernt vom gewohnten Selbstverständnis. Unter dem neuen Coach Oliver David, zuvor Meistertrainer in Salzburg, sucht man noch nach dem spielerischen Glanz der Jackson-Ära. Torhüter Mathias Niederberger zeigte zuletzt aufsteigende Form und sammelte zwei Shutouts, während Neuzugang Antoine Bibeau für zusätzlichen Konkurrenzdruck sorgt. In der Offensive brauchen die Neuen – Jeremy McKenna, Gabriel Fontaine und Brady Ferguson – noch Zeit, um ihre Rollen zu finden. Immerhin war vor der Pause ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Vielleicht ist das die Initialzündung für eine Münchner Aufholjagd. 

Straubing Tigers: Das neue Maß der Dinge 

Was Straubing derzeit zeigt, ist schlicht beeindruckend. Trainer Craig Woodcroft hat nach der Ära Tom Pokel ein Team geformt, das schnelles, kompromissloses Eishockey spielt – mit vier ausgeglichenen Reihen, hoher Laufbereitschaft und beeindruckender taktischer Disziplin. Die jungen deutschen Spieler wie Elis Hede, Danjo Leonhardt, Tim Fleischer, Adrian Klein und Mario Zimmermann erhalten viel Verantwortung und entwickeln sich prächtig. Die Kontingentspieler fügen sich nahtlos ins System ein: Nick Halloran trifft regelmäßig, Tyler Madden zieht die Fäden, und die Verteidiger Nicolas Beaudin sowie Zac Leslie bringen Stabilität und Spielintelligenz. Zudem präsentiert sich Marcel Brandt in herausragender Form: Acht seiner insgesamt neun Saisontore erzielte er in nur sechs Spielen. Der überragende Mann zwischen den Pfosten heißt Henrik Haukeland – drei Shutouts, zahllose Glanzparaden, ein echter Unterschiedsspieler. Mit fünf Punkten Vorsprung führt Straubing die Tabelle souverän an – und darf leise vom ganz großen Wurf träumen. 

Augsburger Panther: Effizient, stabil und brandgefährlich 

In Augsburg hat man die Weichen für eine sorgenfreie Saison gestellt. Coach Bill Peters (mit NHL- und KHL-Erfahrung) und Sportdirektor Larry Mitchell haben einen Kader zusammengestellt, der mit Tempo, Physis und Struktur überzeugt. Neuzugänge wie Alexandre Grenier, Madison Bowey, Alex Blank und Tim Wohlgemuth sind echte Verstärkungen. Dazu glänzt das Goalie-Duo Michael Garteig und Peyton Jones mit Konstanz und Ruhe. Das Peters-System funktioniert: Effizientes Transition-Game, hohes Forechecking und gefährliche Abschlüsse machen die Panther zu einem ernstzunehmendenPlayoff-Kandidaten. Platz sieben zur Länderspielpause ist hochverdient. 

Eisbären Berlin: Moral trotz Verletzungsseuche 

Der Meister kämpft mit einer kaum fassbaren Verletzungsmisere. Neben Kai Wissmann und Markus Niemiläinen fehlen auch die Nachverpflichtungen Patrick Khodorenko (Saisonaus) und Jean-Sébastien Dea – letzterer verletzte sich bereits vier Spiele nach seinem Debüt. Trotzdem zeigt das Team Charakter. Die Eisbären holen Punkte über Kampf, Kompaktheit und taktische Disziplin. Aktuell liegt der Hauptstadtklub auf Rang acht – eine ordentliche Leistung angesichts der personellen Notlage. 

ERC Ingolstadt: Wieder in der Spur 

Der Vizemeister erwischte einen schwierigen Start, fand aber zuletzt eindrucksvoll in die Spur. Das Torhüterduo Devin Williams und Brett Brochu liefert solide Leistungen, während Riley Barber offensiv glänzt. Mit Siegen gegen Mannheim, Straubing, Köln und Frankfurt meldete sich der ERC zurück. 24 Tore in drei Spielen sprechen für sich – die Schanzer sind wieder ein gefährlicher Gegner. 

Fischtown Pinguins Bremerhaven: Verlässlich wie ein Uhrwerk 

Die Nordlichter sind das Sinnbild von Konstanz. Trotz des Ausfalls von Kristers Gudlevskis bleibt Bremerhaven stabil. Neuverpflichtung Julius Hudacek soll an alte Glanzzeiten anknüpfen, während der legendäre „Karawanken-Express“ um Jeglic, Urbas und Verlic weiter das Herzstück bildet. Akito Hirose bringt Schwung ins Aufbauspiel, Colt Conrad sorgt für kreative Impulse. Platz drei ist der verdiente Lohn. 

Adler Mannheim: Leichter Einbruch nach Traumstart 

Nach einem furiosen Saisonbeginn mussten die Adler zuletzt vier Niederlagen in Serie hinnehmen. Trotzdem überzeugt das Team mit Qualität: Die Goalies Franzreb und Mattsson bilden ein starkes Duo, Verteidiger Nicolas Mattinen bestätigt seine Ausnahmestellung, und Justin Schütz trägt die Offensive. Trainer Dallas Eakins scheint allmählich die Balance zwischen Defensivstärke und Spielfreude gefunden zu haben. 

Kölner Haie: Stabil trotz Trainer-Abschied 

Die Ankündigung von Trainer Kari Jalonen, den Klub am Saisonende zu verlassen, hat das Team nicht verunsichert. Im Gegenteil: Die Haie präsentieren sich geschlossen und strukturiert. Goalie Janne Juvonen ersetzt den verletzten Felix Brückmann stark, und die finnischen Verteidiger Oliwer Kaski und Valtteri Kemiläinen sind echte Stützen. Köln geht als Tabellenfünfter in die Pause – eine gute Zwischenbilanz. 

Grizzlys Wolfsburg: Zwischen Stabilität und Stagnation 

In Wolfsburg wechselten sich Licht und Schatten bislang regelmäßig ab. Nach einem verheißungsvollen Start verloren die Grizzlys an Konstanz. Die Offensivleistung um Jimmy Lambert, Jacob Hayhurst und den verletzten Matt Choupani überzeugt, doch defensiv leistet man sich zu viele Fehler. Die Rückkehr von Luis Schinko aus München brachte frischen Wind, doch auch er kann nicht jede Schwäche kaschieren. Trainer Mike Stewart verlangt mehr Effizienz – die Basis für einen Playoff-Platz ist vorhanden, aber das Potenzial wird noch nicht ausgeschöpft. 

Schwenninger Wild Wings: Stark im Tor, wankelmütig im Spiel 

Die Wild Wings starteten konstant in die Saison, ehe ein leichter Einbruch folgte. Goalie Joacim Eriksson gehört zu den besten der Liga, und Neuzugang Danny O’Regan traf sofort – offensiv ist Schwenningen jederzeit gefährlich. Doch die Schwaben kämpfen mit Konstanzproblemen: Auf starke Auftritte gegen Topteams folgen unerklärliche Einbrüche. Trainer Steve Walker setzt auf Geduld und Struktur, um das Team zu stabilisieren – der Playoff-Traum lebt, aber der Weg dorthin ist steinig. 

Nürnberg Ice Tigers: Mutiger Stil, aber viel Pech 

Trotz Verletzungspech zeigen die Ice Tigers attraktives, mutiges Eishockey. Trainer Mitch O’Keefe lässt offensiv spielen, und junge Akteure wie Thomas Heigl, Evan Barratt und Brett Murray nutzen ihre Chancen. Der Überraschungssieg gegen Mannheim vor der Pause gibt Rückenwind – Nürnberg ist besser, als es der Tabellenplatz vermuten lässt. 

Löwen Frankfurt: Neustart unter Tom Pokel 

Nach schwachen Auftritten zog Frankfurt die Reißleine und trennte sich von Tom Rowe. Nun soll Tom Pokel, in Straubing als Erfolgsgarant bekannt, die Hessen wieder auf Kurs bringen. Mit Spielern wie Carter Rowney, Chris Wilkie und Maksim Matushkin steht genügend Qualität im Kader – doch bisher blieb sie zu oft ungenutzt. Das Goalie-Duo Brenner/Pantkowski wirkt ebenfalls wechselhaft. Rang zwölf ist ernüchternd, aber der Trainerwechsel könnte neuen Schwung bringen. 

Fazit: Spannung garantiert 

Die PENNY DEL 2025/26 zeigt sich nach einem Viertel der Saison so abwechslungsreich wie selten. Straubing und Augsburg begeistern, München sucht nach Konstanz, während Iserlohn und Dresden ums sportliche Überleben kämpfen. Für viele Teams kam die Deutschland-Cup-Pause zum richtigen Zeitpunkt – danach wird sich zeigen, wer den Schwung in die entscheidenden Winterwochen mitnehmen kann.

Autor: Ernst Wieninger

Foto: City-Press